Charta der Freiheit



Dies hat eine gewaltige, ruhmreiche Bedeutung. Wenn ihr zurückschaut auf religiöse Gemeinschaften jener Tage, dann werdet ihr sehen, daß gerade dies die Befreiung von Joch und Last bedeutet, Menschen aus unzähligen Verpflichtungen und Bindungen zu befreien, die den Menschen auferlegt waren. Viele Arten abergläubischer, primitiver, untauglicher und falscher Ideen und Glaubensvorstellungen und unbeschränkte soziale Fesselungen und Ketten waren der Menschheit durch die Hände von Gewaltherrschaft, Verzerrung und Betrug auferlegt worden.

Der berühmte Gelehrte George Jordac, Autor des Buches "Die Stimme der Gerechtigkeit, eine Untersuchung von Imam Ali’s Gedanken und Verhalten", macht an einer bestimmten Stelle einen Vergleich von zwei Aussagen. Die eine von seiner Eminenz Umar, dem zweiten Khalifen, die andere von Imam Ali, dem Befehlshaber der Gläubigen (Friede und Heil sei mit ihm).

Er berichtet, daß während der Regierungszeit von Umar einige Gouverneure von islamischen Ländern, gegen die er gewisse Beschwerden und Berichte über schlechte Verwaltung erhalten hatte, sich einst in der Gegenwart des Khalifen befanden. Und der Khalif, der ärgerlich über sie war, wandte sich an sie und tat einen nachhaltigen und denkwürdigen Ausspruch: "Ihr habt die Leute zu Sklaven gemacht, aber Gott hat sie als freie Menschen geschaffen."

Die andere Aussage, die auch in Nahdsch-ul-Balaghah steht, ist von Imam `Ali: "Sei nie ein Sklave für andere, denn Gott hat Dich frei geschaffen.."

George Jordac vergleicht also diese beiden Aussagen, wie ich bereits erwähnte, und befindet, daß die von Imam Ali diejenige sei, die bei weitem vorzuziehen sei. Und er argumentiert in folgender Weise: Umar richtet sich an Gouverneure, die die Freiheit und das Freisein vermutlich nicht wertschätzten. Und Freiheit konnte durch sie überhaupt nicht gewährleistet sein, weil sie eben genau diejenigen waren, die, wie Umar gesagt hatte, die Menschen in Knechtschaft geführt hatten. Umar sagt ihnen direkt: "Ihr habt die Leute zu Sklaven gemacht - doch ihr müßt ihnen Freiheit geben." Dies ist eine Art des Ausdrückens.

Auf der anderen Seite wendet sich Imam Ali (a.s.) an alle Menschen, an die Massen, die in Knechtschaft geführt wurden. Und er weist sie an, daß nur sie selbst ihre eigene menschliche Freiheit und ihr Freisein garantieren können: "Seid nicht ein Sklave für andere, denn Gott hat Euch frei geschaffen."

Nun, in beiden dieser islamischen Aussprüche, unabhängig davon, daß in Imam Ali’s Ausspruch die Kraft der Menschen selbst die Freiheit garantiert, gibt es zwei fundamentale Aspekte, von denen einer in Übereinstimmung damit, daß Gott Euch in Freiheit geschaffen hat, sagt, daß Freiheit ein angeborenes Attribut des Menschen ist. Diesen Punkt möchte ich (kurz) streifen mit einem Vergleich zwischen islamischem und westlichem Denken.

Hier und heute habe ich natürlich nicht vor, eine tiefergehende Diskussion dieses Gegenstandes zu beginnen. Das werde ich - so Gott will - bei einer zukünftigen Gelegenheit tun. Denn hierüber gibt es eine Menge zu sagen. Heute will ich mich nur auf zwei Punkte konzentrieren. Einer davon ist, frei und unabhängig zu denken.

Nun, wie ich bereits sagte, hat soziale Freiheit, wie sie heute in politischen Lexika definiert wird, in Wahrheit eine Qur’anische Wurzel. Wir müssen nicht erst in das 18. Jahrhundert und dessen Liberalismus zurückkehren und dem folgen, was Immanuel Kant und Stuart Mill und andere gesagt haben. Wir haben selbst eine ganze Menge zu diesem Thema zu sagen, logisch und rational. Und ich werde Euch sagen, warum es so ist, daß das, was der Westen sagt, uns nicht auf irgend einen geraden Weg führen wird.

Ich rate Euch dringend, das Thema Freiheit als eine islamische Angelegenheit zu behandeln.



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