Charta der Freiheit



Sicher war es eine lange Zeit von dem Moment an, wo dieser Plan der Unterwerfung des iranischen Volkes über unser Land kam - bis zu dem Punkt, wo es Wurzeln in den Gedanken und den Gehirnen der Eliteschicht dieses Landes schlug und bis die Früchte des Westens gereift waren. Aber letztendlich waren sie erfolgreich. Und die Konsequenzen dieser Entfremdung und Unterwerfung sind die konkreten Beispiele der Rückschrittlichkeit, die wir heute in diesem Lande sehen.

Trotz unserer menschlichen Ressourcen, trotz unseres materiellen Reichtums, trotz unserer einzigartigen geographischen Lage, trotz all der glanzvollen Hintergründe unserer wissenschaftlichen und kulturellen Größe und unseres gewaltigen Erbes an wissenschaftlichen Schätzen. Ja, trotz all dieser brillanten Faktoren ist unser gegenwärtiger Stand in den Bereichen Wissenschaft, Industrie und akademische Errungenschaften bei weitem nicht das, was sie sein sollten.

Auch in den Bereichen unserer Geschichte, Literatur und Geographie hat das Genie des iranischen Volkes noch keinen Erfolg darin gehabt, seine Rückständigkeit abzulegen. Sicherlich haben wir nach der Errichtung der Revolution ein Wunder bezeugen können: Das Gefühl von Hilflosigkeit ist durch einen unerschütterlichen Glauben an uns selbst ersetzt worden. Obgleich wir noch immer daran arbeiten müssen.

Nun gut, in den frühen Jahren der Revolution, und insbesondere in den Jahren des Krieges, der uns auferlegt wurde, haben wir es wirklich mit vielen Problemen zu tun bekommen. Heute aber ist es unzweifelhaft unsere Pflicht, unser Bestes zu tun, um uns hart anzustrengen. Und das Ziel dieser Anstrengung sollte sein: Den Islam zu erheben und zu glorifizieren und unseren islamischen Iran in jeder Beziehung wirklich unabhängig zu machen. Damit meinen wir natürlich nicht, daß wir die Landesgrenzen schließen sollen. Das wäre sicherlich nicht weise, und niemand hält euch dazu an, das zu tun. Im Laufe der Geschichte hat fast jeder Mensch einmal von den Errungenschaften der anderen profitiert. Aber es ist ein erheblicher Unterschied zwischen dem Austausch von Gedanken und Waren unter zwei gleichwertigen Parteien und dem untertänigen Erbetteln des einen von einem arroganten Geber. Und dies waren mehr oder weniger die Zustände vor der Revolution.

Ihr müßt Euer Land auf den notwendigen erhabenen Stand bringen. Dies ist die große Aufgabe der begnadeten, erzogenen jungen Generation dieses Landes. Und Ihr, Brüder und Schwestern, die Ihr an dieser Universität studiert habt, habt nach meiner Ansicht eine schwierigere Aufgabe zu erfüllen als andere. Und so Gott will werdet Ihr dem mit großem Erfolg gerecht.

Heute wollte ich eigentlich lediglich mit Euch zusammen sein. Ich hielt es nicht für notwendig, irgendwelche Diskussionsthemen anzufangen. Ich hatte lediglich vor, ein Stündchen mit Euch zu verbringen, mit Euch zu sprechen und Eure Fragen zu beantworten. Das hätte mir überaus gut gefallen. Es gibt da aber noch ein Thema, das derzeit diskutiert wird. Es ist eine nützlich Diskussion unter den gegenwärtigen Umständen in unserem Land und aus diesem Grund möchte ich kurz über ein paar Punkte sprechen, die ich mir notiert habe:

Es ist die Frage der Freiheit, die, wie ich sagte, dieser Tage enthusiastisch diskutiert wird, in der Presse und unter den denkenden Leuten in unserem Land. Dies ist ein gesegnetes Phänomen. Denn daß das Prinzip und die grundlegende Themen der Revolution Gegenstand eines Gedankenaustausches sind, und viele Leute davon überzeugt sind, über solcherlei nachzudenken, ist etwas, auf das wir immer gewartet haben. Und natürlich werden auch andere Themen diskutiert. Heute ist jedenfalls Freiheit der Punkt, der zur Diskussion steht. Und ich persönlich lese und studiere das meiste dessen, was diskutiert oder gedruckt wird. Und einiges davon finde ich recht brauchbar. Die Ideen, die zum Ausdruck gebracht werden, sind verschiedenartig bzw. gegensätzlich. Ich meine, sie folgen keiner bestimmten Linie. Sie widersprechen einander des öfteren und auf beiden Seiten der gegensätzlichen Ansichten findet man viele richtige und wahre Auffassungen. Und es ist gut, solche Entwicklungen fortzusetzen. Und ich hoffe sehr, daß unsere Gelehrten und unsere Spezialisten angetrieben werden, sich mehr zu engagieren in der Versorgung mit Diskussionen, hervorgerufen durch belehrende Gedanken, zum Nutzen der Öffentlichkeit. Ich habe Euch oft dazu ermutigt, die Kultur der islamischen Revolution weiterhin zu vertiefen. Und um in solche Tiefen vorzudringen, bedarf es solcher Gespräche.

Auf jeden Fall gibt es zwei Punkte, denen man mit besonderer Aufmerksamkeit begegnen sollte. Das erste ist: In jeder Diskussion um Freiheit darf die Unabhängigkeit, welche eine der drei Parolen der Revolution gewesen ist, nicht übersehen werden. Vielmehr muß sie gewissenhaft berücksichtigt werden. Das bedeutet, wir müssen unabhängig denken. Sollten wir andere in dieser Angelegenheit, welche ein Eckpfosten unseres Fortschritts ist, nachahmen, und sollten wir nur in Richtung der Gedanken schauen, die aus dem Westen kommen, so würden wir einen großen Fehler machen - und bittere Konsequenzen würden uns erwarten.

Zuerst sollte ich erwähnen, daß die Frage der Freiheit eine jener Kategorien ist, die im Heiligen Qur’an und in den Überlieferungen der Imame - Friede sei mit ihnen - regelmäßig hervorgehoben werden. Sicher ist unser Verständnis von Freiheit nicht das von absoluter Freiheit, welches, wie ich glaube, überhaupt keinen Anhänger auf der Welt hat. Ich meine damit, ich glaube nicht, daß es überhaupt jemanden auf der Welt gibt, der die Menschen zu absoluter Freiheit einlädt. Auch ist unser Verständnis von Freiheit nicht nur ein Spirituelles, das es im Islam und auch in unserer einzigartigen islamischen Literatur gibt. Nein, dies ist (hier) auch nicht die Frage. Spirituelle Freiheit ist etwas, das von allen Gläubigen gutgeheißen wird und darüber reden wir (hier) nicht.

Die Art von Freiheit, die zur Diskussion steht, ist faktisch die soziale Freiheit. Das heißt Freiheit als ein Menschenrecht, Freiheit der Rede, Gedanken, Wahl und so weiter. Diese Auffassung von Freiheit wurde im Heiligen Qur’an und in der Sunnah betont. Vers 157 in Surah Al A’raf besagt: "...Die da folgen dem Gesandten, dem Propheten, dem Makellosen den sie bei sich in der Thora und im Evangelium erwähnt finden - er befiehlt ihnen das Gute und verbietet ihnen das Böse und er erlaubt ihnen die guten Dinge und verwehrt ihnen die schlechten - und er nimmt hinweg von ihnen ihre Last und die Fesseln, die auf ihnen lagen - ..." Gott sagt dies in Bezug auf ein wichtiges Merkmal des Propheten: Er befreit die Menschen von den Einschränkungen, die ihm auferlegt waren.



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